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18.04.18

Jeder Mensch braucht ein Zuhause: Begleitpapier des SkF: Frauen in Wohnungsnot und Wohnungslosigkeit

Download der Präsentation des SkF: Frauen in Wohnungsnot und Wohnungslosigkeit

 

Oder lesen Sie die wesentlichen Inhalte hier:

 

Jeder Mensch braucht ein Zuhause –

Kampagne des Deutschen Caritasverbandes

In Deutschland fehlen eine Million Wohnungen. Nicht nur Randgruppen sind betroffen, das Problem ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Wohnungen werden luxussaniert, Mieten steigen stark, Menschen müssen ihr langjähriges Zuhause verlassen und finden keine neue Wohnung, die sie sich leisten können. Sie verlieren ihr soziales Umfeld und ihr Zuhause. Am Ende sitzen sie vielleicht auf der Straße.

 

Ihr Endpunkt ist der Ausgangspunkt der Caritas-Kampagne 2018: Mit ihr wollen wir zeigen, wo es an Wohnungen fehlt und wie man bezahlbaren Wohnraum schaffen kann. Denn ein Zuhause für jeden darf in einem reichen Land wie Deutschland nicht Privileg sein, sondern Grundrecht.

 

Die besondere Situation von Frauen in Wohnungsnot und Wohnungslosigkeit

Der SkF setzt im Rahmen der Kampagne einen besonderen Akzent auf Frauen und Frauen mit Kindern. Ihre Situationen unterscheiden sich von denen der Männer. Ihre Wohnungslosigkeit hat andere Ursachen und sie benötigen spezifische Hilfen. Daraus leiten sich zusätzliche politische Forderungen ab.

 

Ausgangslage

Die Zahl der wohnungslosen Frauen ist in den vergangenen Jahren dramatisch

angestiegen. Waren in den 1990er-Jahren noch 15 % der Wohnungslosen in Deutschland weiblich, so sind es inzwischen 25 %.

 

Nach Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) lebten 2014 etwa 335.000 Menschen ohne Wohnung. Verhärtet wird diese Situation durch die Verknappung von bezahlbarem Wohnraum, bzw. mangelndem preiswerten Wohnraum und steigenden Mieten. Wohnungslose Frauen, vor allem mit Kindern, haben einen besonderen Schutzbedarf. Sie benötigen zügig Unterstützung bei der Suche nach einer Wohnung oder

entsprechende Angebote im Rahmen der Wohnungslosenhilfe.

 

Situationen wohnungsloser Frauen

Wohnungslose Frauen fallen in der Regel im städtischen Erscheinungsbild nicht auf. Sie sind meist gepflegt, bemühen sich um einen „geregelten“ Tagesablauf und halten sich eher in Kaufhäusern, Bibliotheken, etc. auf. Sie verstecken ihre Not unter sauberer Kleidung; sie wollen auf gar keinen Fall als wohnungslos identifiziert und damit stigmatisiert werden.

 

Daher versuchen wohnungslose Frauen möglichst lange, ohne institutionelle Hilfe zu leben. Dies führt aber oft zu prekären und traumatisierenden Lebensverhältnissen. Ihr Unterstützungsbedarf bleibt den Hilfseinrichtungen oft verborgen.

 

Auf der Straße sind wohnungslose Frauen der ständigen Gefahr physischer, insbesondere sexualisierter, Gewalt ausgesetzt. Daher leben wohnungslose Frauen selten gänzlich ohne Unterkunft.

 

Sie flüchten zu Freunden oder Bekannten und versuchen per „Sofahopping“ unterzukommen. Sie nehmen besonders prekäre Wohnsituationen in Kauf, um nicht auf der Straße übernachten zu müssen. Häufig sind sie aus Not gezwungen, sich und ihren Körper für eine Schlafstätte und vermeintlichen Schutz einzusetzen.

 

Ursachen

Frauen sind häufiger von Armut bedroht als Männer. Sie verfügen oft über keine oder geringere eigene Finanzmittel. Dies liegt vor allem daran, dass sie meist die Haus-, Pflegeund Sorgearbeiten übernehmen und nicht oder nur in Teilzeit erwerbstätig sind. In vielen Fällen sind Frauen in Partnerschaften nicht umfassend abgesichert. Es kommt z. B. vor, dass sie nicht als Mieterin im Mietvertrag eingetragen sind. Nach Trennungen vom Partner haben sie große Schwierigkeiten, eine eigene Wohnung zu finden. Besonders schwierig ist

es für ältere Frauen, die über keine ausreichende Rente verfügen.

 

Eine besondere Situation sind Trennungen nach Partnerschaftsgewalt. Die Frauen finden kurzfristig Zuflucht in einem Frauenhaus, können aber anschließend oft keine Wohnung anmieten. Nicht selten gehen sie dann zurück in die gewaltbelastete Beziehung oder sie flüchten in die Wohnungslosigkeit.

 

Forderungen

Die Kampagne „Jeder Mensch braucht ein Zuhause" lädt dazu ein, sich mit den Entwicklungen und Auswirkungen der Wohnungspolitik auseinanderzusetzen. Schon seit 1948 gibt es das Recht auf eine Wohnung. Damals wurde dieses Recht in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgeschrieben. Doch heute fällt es vielen Menschen schwer Wohnraum zu finden. Familien mit mehreren Kindern gehören genauso dazu, wie Rentner oder Studierende.

 

Zunehmend trifft es Frauen, die nach Trennungen oder im Alter Schwierigkeiten haben ein bezahlbares Zuhause zu finden. Frauen zeigen häufig besonders starke Bewältigungskompetenzen und entwickeln verschiedene Strategien, um nicht auf der Straße zu landen. Dennoch reichen sie irgendwann nicht aus, um die schwierige Lebenssituation aus eigenen Kräften bewältigen zu können. Die daraus resultierenden psychischen Belastungen wiegen schwer. Veränderungen können darüber hinaus nur schwer angegangen und bewältigt werden und die Lebenskrise weitet sich aus.

 

Keine Frau soll auf der Straße leben.

Alle Anstrengungen zum Wohnungserhalt müssen getätigt werden. Aufsuchende Hilfen und niedrigschwellige (nachbarschaftliche) Hilfs- und Beratungsangebote müssen ausgebaut werden. Sie können z. B. unterstützen, das Gespräch mit Vermieterinnen und Vermietern zu suchen. Vor allem für Schwangere und Frauen mit Kindern müssen kurzfristige Unterbringungsmöglichkeiten geschaffen werden, die keine vorherige Kostenübernahmeerklärung benötigen.

 

Kein Kind soll auf der Straße leben.

Familiennotunterkünfte sind keine Lösung und keine Frau, keine Mutter, kein Kind soll auf der Straße leben müssen. Bei Trennung muss diejenige/derjenige die Wohnung behalten dürfen und auch finanziert bekommen, die/der die Kinder versorgt; in der Regel die Frau. Es muss auch die Möglichkeit geschaffen werden, dass der Mietvertrag von der Frau übernommen werden kann und die Kosten durch das Jobcenter getragen werden. Damit würden Wohnungslosigkeit bei Frauen mit Kindern verhindert.

 

Keine Rentnerin soll auf der Straße leben.

Eine weitere besondere Gruppe sind die älteren Frauen. Sie haben oft keine eigene oder nur eine geringe Rente. Für sie müssen die Kosten bei steigenden Mieten durch das Jobcenter, ggf. über einen Sonderfond für ältere Frauen, übernommen werden. Damit werden Folgekosten sowie psychische Beeinträchtigungen verhindert und ein würdiges Altern gefördert.

Auch die Einrichtungen für Wohnungslose müssen auf die besonderen

Bedürfnisse von älteren Frauen ausgelegt sein.

 

Der SkF fordert Wohnraumerhalt für ältere Frauen bzw. Einrichtungen, die auf die Bedürfnisse von älteren Frauen ausgerichtet sind.

 

Keine Frau soll in einer Gewaltbeziehung leben.

Die seit Jahren bestehende Wohnungsnot verhindert Schutz vor Partnergewalt. Immer häufiger können von Gewalt betroffene Frauen, die sich endlich zu einer Trennung entschieden haben, nicht aus ihren Wohnungen ausziehen oder auch die Gewalt ausübenden Männer die Wohnung nicht verlassen, weil sie keinen alternativen, bezahlbaren Wohnraum finden. Auch Gewaltschutzanordnungen helfen dann nicht weiter. Das zwangsweise

Zusammenleben in einer gemeinsamen Wohnung, in der häusliche Gewalt stattfindet, gefährdet Sicherheit und Gesundheit von Frauen und Kindern. Der Ausbau von bezahlbarem Wohnraum ist dringend notwendig.

 

Keine Frau soll in Angst vor Gewalt leben.

Frauen mit schweren Gewalttraumatisierungen in Partnerschaften haben Angst vor erneuten sexuellen Übergriffen. Eine Unterbringung in gemischten Obdachloseneinrichtungen ist nicht zumutbar bzw. kann zu Retraumatisierungen führen.

 

Mitmachen bei der Kampagne des DCV

Die Kampagnenseite des Deutschen Caritasverbandes (DCV) bietet weitere Informationen zum Thema Wohnungslosigkeit und Wohnungsnot an. Zudem finden sich auf der Seite Aktionsvorschläge, die auch für den SkF mit dem spezifischen Blickwinkel auf Frauen und Familien gut umsetzbar sind. www.zuhause-fuer-jeden.de/

 

Aktionen

Handreichung zur Aktion „Zimmer auf der Straße“

Die Handreichung zur Kampagnen-Aktion 2018 „Zimmer auf der Straße“ gibt Tipps und Anregungen für die Umsetzung. Fragen wie „Wer kann mitmachen? Woher kommen die Möbel? Was muss ich beachten“ werden beantwortet. Zudem enthält sie eine Checkliste an der Sie sich orientieren können.

Laden Sie die Datei herunter und drucken Sie sie aus.

 

Viel Erfolg!

Wir wünschen Ihnen für Ihre Aktionen kreative Ideen und viel Erfolg!

Falls Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich gerne an uns oder schicken uns Ihre Aktionsideen zu:

 

Nadine Mersch

SkF Gesamtverein e. V.

Stabsstelle Sozialpolitik und Öffentlichkeitsarbeit

Tel. +49 231 557026-25

mersch@skf-zentrale.de

 

Unser Dank gilt Frau Ihrlich und Frau Snay vom SkF Berlin für die fachliche Unterstützung!