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Künstliche Intelligenz in der Sozialen Arbeit

Mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Sozialen Arbeit befassten sich SkF und SKM im Erzbistum Paderborn (von links): Diözesan-Caritasdirektor Ralf Nolte, SkF-SKM-Diözesan-Geschäftsführerin Reinhild Steffens-Schulte, Referentin Teresa Staiger (Bertelsmann-Stiftung), die SkF-Vorsitzende Birgit Poggenpohl (Gütersloh) und der SKM-Vorsitzende Bernd Lewen (Lippstadt).

Die Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes, Eva Welkop-Deffaa, informierte bei der SkF-SKM-Delegiertenversammlung in Paderborn per Video-Call über das Jahresthema der deutschen Caritas unter dem Motto „Frieden beginnt bei mir“.

Die Verantwortlichen der 29 SkF und SKM im Erzbistum Paderborn unterstützen das Caritas-Jahresthema „Frieden beginnt bei mir“.

Der mögliche Einsatz von Algorithmen als Ausgleich zum Fachkräftemangel war Thema bei der Delegiertenversammlung von SkF und SKM im Erzbistum Paderborn

Paderborn, 27.3.2024 (cpd) – „Künstliche Intelligenz“ (KI) revolutioniert derzeit die Arbeitswelt – mit schwer abschätzbaren Folgen für die Gesellschaft. Wie KI auch in der Sozialen Arbeit unterstützend eingesetzt werden kann, damit befasste sich die Delegiertenversammlung der 29 Sozialdienste katholischer Frauen (SkF) und Männer (SKM) im Erzbistum Paderborn, Fachverbände der Caritas, im Rahmen einer Tagung im Paderborner Hotel Aspethera.

Gastreferentin Teresa Staiger von der Bertelsmann-Stiftung betonte, „Künstliche Intelligenz“ sei weder künstlich noch intelligent. Verbreitete Vorstellungen von KI, die wahlweise als bedrohlich oder im Gegenteil als Heil versprechend wahrgenommen werden, entsprächen beide nicht der Realität. Die zugrundeliegenden Algorithmen könnten aber menschliche Schwächen in Bezug auf Effizienz, Umgang mit Komplexität und Konsistenz ausgleichen, sagte Staiger. Technologieentwicklung müsse sich insgesamt stärker am Gemeinwohl ausrichten, ist ihre Überzeugung. Deshalb arbeite ein Team der Bertelsmann-Stiftung an einer wirksamen Kontrolle algorithmischer Systeme und motiviere zu deren gezielter Nutzung fürs Gemeinwohl.

Die Herausforderung sei allerdings, dass die Wohlfahrt mit ihren rund zwei Millionen Mitarbeitern in Deutschland zwar eine tragende Säule des Sozialstaates sei, die Potenziale von Algorithmen und KI aber noch kaum nutze, sagte Teresa Staiger. Eine Einschätzung, die die Fachleute von SkF und SKM teilten. Zwar habe die Digitalisierung in allen Verbänden eine hohe Relevanz, es fehlten aber Ressourcen, Kompetenzen und Anwendungsideen, um Künstliche Intelligenz einzusetzen.

Um die Entwicklung genau solcher Ideen und die Identifizierung von „Schmerzpunkten“ und „Zeitfressern“ in der Verwaltung ging es daher bei einem Projekt der Bertelsmann-Stiftung mit Partnern von Wohlfahrtsorganisationen, berichtete Teresa Staiger. Ergebnis waren einerseits einfache Ideen wie der Einsatz einer Quittungs-App in der Jugendhilfe, die aber das Potential habe Tausende Fachkraft-Stunden einzusparen. Andererseits aber auch komplexere Ideen wie der Einsatz eines KI-gesteuerten Therapie-Assistenten in der Suchthilfe. Dieser könne passgenauere Therapien vermitteln und dadurch die Abbruch-Quote verringern helfen, sagte Teresa Staiger, warnte aber gleichzeitig davor, der KI „zu sehr“ zu vertrauen. „Man braucht immer ein Sicherheitsnetz der verantwortlichen Überprüfung.“ Insgesamt gebe es angesichts vielfältiger Krisen viel Potenzial zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Freien Wohlfahrt, waren sich die Anwesenden einig.

Diözesan-Caritasdirektor Ralf Nolte verwies in dem Zusammenhang auf Bemühungen der Caritas in NRW und in Deutschland zu prüfen, wo die menschliche Arbeit durch KI ergänzt werden könne. „Wir können davon profitieren, gerade angesichts des Fachkräftemangels“, zeigte sich Nolte überzeugt.

Zum Abschluss der Tagung von SkF und SKM wurde per Video-Call Eva Welkop-Deffaa, Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes, aus Berlin zugeschaltet. In einem Impulsvortrag zum Jahresthema der deutschen Caritas unter dem Motto „Frieden beginnt bei mir“ betonte sie, die Caritas sei in Kriegszeiten ganz besonders gefordert. Das zeige auch die Geschichte der Caritas, die durch den Einsatz für Kriegswaisen und -witwen seit dem Ersten Weltkrieg stark geprägt worden sei. Entsprechend wolle man sich in diesem Jahr ganz besonders gegen Unfrieden und Gewalt im eigenen Land wie auch international engagieren und auf den Zusammenhang zwischen Frieden und Demokratie hinweisen, sagte Welkop-Deffaa. Unzufriedenheit könne leicht von Populisten in Unfrieden umgemünzt werden, der wiederum Ängste befeuere.  „Wir treten deshalb für den sozialen Frieden in unserem Land ein“, so die Caritas-Präsidentin. Dabei komme es aber auch auf die Bereitschaft jedes Einzelnen an, Frieden zu stiften.

Fotos: cpd/Markus Jonas